Wald im Wandel: Sieben Thesen für die Forstwirtschaft der Zukunft | Frankfurter Allgemeine

Forstwirtschaft ist wie Fußball. Jeder glaubt, dass er es besser weiß als die Profis. Es lohnt sich jedoch, auch einmal die Ansichten derjenigen zu erfahren, die sich tatsächlich praktisch mit der Materie befassen. Hier sind sieben forstwirtschaftliche Thesen von uns.

Wir sind selbst Waldbesitzer sowie Vorstandsmitglieder eines großen, leistungsfähigen forstwirtschaftlichen Zusammenschlusses in Brandenburg, der Forstbetriebsgemeinschaft Südbrandenburg, mit fast 15.000 Hektar.

1. Der Wald ist der Verlierer des Klimawandels

Der Wald ist zwar die CO2-Senke und daher für viele der Hoffnungsträger gegen den Klimawandel. Tatsächlich ist er aber in erster Linie der Verlierer des Klimawandels.

Denn der Wald wird geschädigt durch Stürme, Insektenkalamitäten, Dürren, Temperaturanstieg, Hitzewellen und zunehmende Waldbrände.

Alles Ereignisse, die sich mit hoher Wahrscheinlichkeit auf den Klimawandel zurückführen lassen. Zudem verstärken sich die Ereignisse wechselseitig.

Wir befinden uns derzeit in einem Teufelskreis.

2. Gegen Klimawandel ist bewirtschafteter besser als nicht bewirtschafteter Wald

Wenn Bäume absterben, binden sie kein neues CO2 mehr. Wird das Holz dann nicht durch aktive Forstwirtschaft aus dem Wald geholt, werden Unmengen an CO2 freigesetzt, wenn die Bäume verrotten.

Daher wird ein unbewirtschafteter Wald zum riesigen CO2-Emittenten. Demgegenüber wird das CO2 durch Bewirtschaftung des Waldes für längere Dauer, z.B. in Dachstühlen und Balken, gebunden.

So wohnt einer der Autoren demnächst in einem denkmalgeschützten Haus mit einem 500 Jahre alten Dachstuhl.

Der andere hat ein Fachwerkhaus gebaut. Und zum anderen ersetzt Holz andere Rohstoffe (wie Zement, Stahl oder Aluminium), die viel Energie bei der Erzeugung verbrauchen und damit CO2 freisetzen.

3. Der Schutz des bestehenden Waldes ist zentral

Wenn der Wald erst großflächig abgestorben ist, ist es viel schwieriger, wieder Wald zu begründen. Den kleinen Bäumen fehlt dann das Waldklima und damit Schutz gegen Wind, Sonne und Frost.

Als Folge davon können hauptsächlich wieder nur Pionierbaumarten wie Kiefer oder Birke gepflanzt werden. Im Ergebnis dauert der Waldumbau so viel länger.

Zum Schutz des Waldes ist daher gegen Insektenmassenvermehrungen als ultima ratio der Einsatz von Pflanzenschutzmittel erforderlich. Im Vergleich zur Landwirtschaft, aber auch zur privaten Nutzung im eigenen Garten, wird nur ein verschwindend geringer Anteil der Pflanzenschutzmittel im Wald verwendet.

4. Die Verteufelung der Kiefer und aller fremdländischen Baumarten macht einen klimawandelstabilen Wald unmöglich

Von den heimischen Baumarten ist die Kiefer am besten gegen den Klimawandel gewappnet.

Kiefern sind robust gegen Hitze und Regenmangel. Wie in diesem Sommer zu sehen, kommt demgegenüber die Buche – aber teilweise auch die Eiche – auf vielen Standorten nicht mehr zurecht.

Eine Alternative, um klimastabile Wälder zu schaffen, sind bislang hier nicht heimische Baumarten, vor allem Douglasie, Küstentanne und Roteiche, vielleicht auch die Baumhasel und Esskastanie oder die türkische Tanne.

Wenn wir bei uns bald südeuropäisches Klima haben, dann werden bei uns vor allem solche Bäume überleben, die wir in heute schon wärmeren Gefilden finden.

Wer sich dagegen sperrt, gefährdet die Existenz des Waldes und die daran hängenden CO2-Ziele.  Allerdings ist in Deutschland die Ablehnung fremdländischer, also nicht heimischer Baumarten sehr einflussreich.

Dafür steht eine Aktion von Greenpeace: Im Jahr 2012 haben sie im Bayerischen Spessart 2.000 Douglasien-Setzlinge illegal aus dem Boden gerissen. Manche sprechen daher – wir denken nicht ganz zu Unrecht – von Baumrassismus.

5.Schützt die Arbeitsplätze der Forstwirtschaft in strukturschwachen Regionen

Wir schließen bis 2038 die Braunkohletagebaue in der Lausitz und in Sachsen-Anhalt, was den Verlust tausender

Arbeitsplätze zur Folge hat. Wollen wir gleichzeitig in diesen Regionen auf die Forstwirtschaft und damit die daran hängenden Arbeitsplätze verzichten? Die wenigsten wissen es: Der Wald in Deutschland ist auch wirtschaftlich von erheblicher Bedeutung.

Überwiegend in strukturschwächeren Regionen beschäftigt das Cluster Forst 1,2 Million Menschen und erzielt einen Umsatz von 180 Milliarden Euro pro Jahr.

6. Nationalparks in der heutigen Form sind ein Problem

Nationalparks wie im Harz oder im Bayerischen Wald sollten eine Vorbildfunktion für die Waldentwicklung haben.

Tatsächlich sind diese „Parks“ teilweise Mondlandschaften: Der Wald ist abgestorben und ersetzt durch Sukzessionsgesellschaften mit einzelnen Baumgruppen, ein Zustand, bei dem ein privater Waldbesitzer regelmäßig von den Forstbehörden eine amtliche Aufforderung zur Wiederaufforstung erhält.

In den Nationalparks verbleibt zudem das gesamte tote Holz auf den Flächen. Dadurch sind diese Flächen in ihrer CO2-Bilanz im Vergleich zu bewirtschafteten Wäldern deutlich schlechter.

Als CO2-Emittent sind diese Flächen übergangsweise so etwas wie der deutsche Mini-Amazonas. Der unbewirtschaftete Wald ist zudem eine Brutstätte für Schädlinge.

Derzeit sehen wir dies im Harz, in dem der Wirtschaftswald rund um den Nationalpark nun schwerstens durch den Borkenkäfer geschädigt ist und großflächig abstirbt.

Viele Waldbesitzer, die sich nicht mehr um ihren Wald kümmern können oder wollen, können auf dieses Vorbild verweisen.

Dies ist allerdings für ihre Nachbarn, die ihren Wald bewirtschaften, eine Katastrophe. Daher ist es in Zeiten des Klimawandels notwendig, das Nationalparkkonzept grundlegend zu reformieren.

7. Forstwirtschaft benötigt und verdient mehr Förderung

Viele Wälder sind durch die Folgen des Klimawandels in ihrer Existenz bedroht. Die Reparaturmaßnahmen werden erhebliche finanzielle Anstrengungen erforderlich machen.

Anders als die Landwirte erhalten die Waldbesitzer bislang keine flächenbezogenen Zuschüsse. Die Waldflächen erzeugen eine Vielzahl öffentlicher Güter, also Güter, die wir alle dringend brauchen, die aber bis heute nicht vergütet werden.

Dies sind vor allem die CO2-Bindung/-Senke, die Wasserreinigung/Wasserspeicherung, die Luftreinigung und Produktion von Sauerstoff und der Erholungsraum/Tourismus.

Daher schlagen die Waldverbände vor, dass die Waldbesitzer zumindest für die Leistung als CO2-Speicher eine flächenbezogene Vergütung erhalten.

Wenn ein Wald durch seinen Zuwachs durchschnittlich 5 Tonnen CO2 pro Hektar und Jahr bindet und der aktuelle Zertifikatpreis von 25 Euro pro Tonne CO2 zugrunde gelegt wird, dann ergibt sich daraus eine mögliche Vergütung dieser Leistung von 125 Euro pro Jahr und Hektar.

Der Wald liegt uns am Herzen.

Wir werden uns dafür weiter mit aller Kraft einsetzen. Frei nach Martin Luther: Selbst wenn wir wüssten, dass die Welt morgen untergehen würde, werden wir nicht nur einen Baum pflanzen, sondern ganze Wälder begründen.

Lähde: Wald im Wandel: Sieben Thesen für die Forstwirtschaft der Zukunft | Frankfurter Allgemeine

Kategoria(t): Metsänhoito Avainsana(t): , , . Lisää kestolinkki kirjanmerkkeihisi.

Vastaa

Täytä tietosi alle tai klikkaa kuvaketta kirjautuaksesi sisään:

WordPress.com-logo

Olet kommentoimassa WordPress.com -tilin nimissä. Log Out /  Muuta )

Google photo

Olet kommentoimassa Google -tilin nimissä. Log Out /  Muuta )

Twitter-kuva

Olet kommentoimassa Twitter -tilin nimissä. Log Out /  Muuta )

Facebook-kuva

Olet kommentoimassa Facebook -tilin nimissä. Log Out /  Muuta )

Muodostetaan yhteyttä palveluun %s